Müssen wir Handys an unseren Schulen verbieten?
Carl-Thomas Hinrichs
JU denkt populistische These weiter
Derzeit häufen sich Berichte von Straftaten gewaltbereiter Schüler auf deutschen Schulhöfen. An der Berliner Rütli-Schule haben die ersten Pädagogen vor der Gewaltbereitschaft der Schüler kapituliert und aus Präventionsgründen die Schließung ihrer Schule gefordert.
Dabei soll es vermehrt dazu gekommen sein, dass Schüler Massenschlägereien per SMS or-ganisieren, mit Videohandys filmen und ins Internet stellen. Einer aktuellen Untersuchung zur Folge erleiden jede Woche etwa 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland einen An-griff oder Demütigungen. Das niedersächsische Landeskriminalamt verzeichnete im Jahr 2004 11.800 Straftaten an hiesigen Schulen, was einen Anstieg der Straftaten um etwa 50 Prozent entspricht.
Aufgrund dieser enormen Brutalität werden Stimmen laut, die ein striktes Handyverbot an deutschen Schulen fordern. Mobiltelefone würden mehr als ein „digitales Spielzeug“ darstel-len und auch als „kommunikative Waffe“ dienen. Auch werde durch das Filmen der Gewalt-taten eine Verlängerung der Qualen der Opfer herbeigeführt.
All dies sind unerfreuliche Beobachtungen, die auf das Schärfste zu verurteilen sind. Aller-dings drängt sich die Frage auf, ob ein Handyverbot an Schulen, wie es bereits in Bayern ein-geführt wurde, die Lösung dieses Übels darstellt. Denn nach Schulende werden Jugendliche in jedem Fall ihr Handy nutzen dürfen, ebenso wie am Wochenende. Gerade aus Großbritan-nien weiß man, dass Heranwachsende Prügeleien als eine ihrer liebsten Wochenendbeschäfti-gungen angeben (sog. „Happy-slapping-Phänomen).
Wenn sich der Handy-Gebrauch, neben all den nützlichen Vorteilen, als ein Förderer des Ge-walt-Übels darstellt, was nützt seine Verbannung aus der Schule, wenn Straftaten dann ledig-lich zeitlich verschoben, aber nicht verhindert werden? Denn es erscheint äußerst fragwürdig, ob per Handy gefilmte Schulkriminalität nicht ohnehin auch nach der Schule stattfinden wür-de, egal ob in der Schule ein Handyverbot besteht oder nicht.
Vielmehr macht es Sinn, sich Gedanken über die Ursachen jugendlicher Gewalt zu machen. Hier werden von Wissenschaftlern vor allem der Ausgleich fehlenden Selbstbewusstseins sowie eine zu beobachtende „Macho-Kultur“ von Jugendlichen mit Migrationshintergrund angegeben.
Aus Sicht der Jungen Union erscheint es daher sinnvoller, in Schulen den Diskurs zu suchen, als platt und pauschal ein Handyverbot zu fordern. Es sollte im Unterricht der vernünftige und soziale Umgang im menschlichen Miteinander diskutiert werden, sowie auf die verstärkte Vermittlung von ethischen Grundsätzen gesetzt werden. Dies könnte anhand von Rollenspie-len, Dialogangeboten und alternativen Streitschlichtungsmethoden (z.B. „Mediation“) durch-geführt werden.
Darüber hinaus hat die Junge Union Niedersachsen anlässlich ihres 40. Niedersachsentags, auf Antrag des JU Kreisverbands Verden, die Forderung aufgestellt, Fitnesspakete zur Ge-waltprävention in Schulen einzuführen. Einer Studie der Universität Würzburg zur Folge ist die unmittelbar frustrationsabbauende Wirkung eines Boxsacks und Sport im Allgemeinen erwiesen. Weiterhin dienten solche Fitnesspakete der Förderung von Zivilcourage, sozialem Verhalten und reduzierte das Gewaltpotential deutlich. Parallel zu diesen Maßnahmen sollte über den sinnvollen Umgang mit dem Kommunikationsmedium Mobiltelefon informiert wer-den.
Unter dem Präventionsgedanken könnte durch diese Maßnahmen versucht werden, eine ju-gendliche, auch an Schulen auftretende, Problematik zu lösen, anstatt diese bloß durch ein zeitliches Verbot zu verschieben.
Anmerkung: Persönliche Standpunkte stellen die Meinung des Verfassers dar und sind nicht unbedingt identisch mit der Auffassung der Jungen Union Kreisverband Verden .








1. Walter Frey
Kommentar vom 14. Dezember 2011 um 21:58
Der Autor ist ein Traumtänzer. Wenn schon ein freiwilliger Handyverzich bzw. die vielen guten Worte nichtsnutzen, wie will man denn dann die Schüler zu einer Mediation bringen.
Kinder müssen Grenzen gesetzt werden. Der Autor war wahrscheinlich noch nie an eienr Schule und hat sich darüber informiert, was mit Handygebrauch geschieht. Da werden Mädchen unter die Röcke fotografiert und dann ins Netz gestellt. Sicher kann man sagen, dass so etwas auch außerhalb der Schule geschehen kann. Nur außerhalb der Schule har das Opfer andere Möglichkeiten sich z. B. gegen diesen Missbrauch zu wehren.