Schulden – ein Kinderspiel?

Thesenpapier der Jungen Union Bezirksverband Elbe/Weser
08./09. Februar 2008, Verden (Aller)


Ansätze zur Hilfe von Jugendlichen aus der Schuldenfalle

Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland hat 2007 weiter zugenommen. Bei einer Schuldnerquote von 10,9 Prozent (Vorjahr 10,7 Prozent) gilt mehr als jeder zehnte erwachsene Bewohner Deutschlands als überschuldet. Für 2007 kann von einem Schuldenvolumen von 271 Mrd. Euro ausgegangen werden (2005: 259 Mrd. Euro)
Überschuldung (formaljuristisch: Privatinsolvenz) liegt im Allgemeinen dann vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz: Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.

Mehr als jeder zweite Fall von Überschuldung (52 Prozent) lässt sich auf die Ursachen Arbeitslosigkeit (29,9%), Scheidung (15,2%) und Krankheit zurückführen. Ein unangemessenes Konsumverhalten sowie eine unwirtschaftliche Haushaltsführung sind bei rund 16 Prozent der Fälle ursächlich für eine zu hohe Verschuldung. Es folgen die so genannte Einkommensarmut (9,4 Prozent) und Suchtverhalten mit 4,6 Prozent.

Die Überschuldungsbetroffenheit bei jungen Menschen steigt stark an. Mittlerweile sind mehr als ein Prozent aller unter 20-jährigen überschuldet. Die Schuldnerquote bei den 20- bis 29-jährigen liegt in 2007 bereits bei 8,6 Prozent (ein Plus von 1,1 Prozentpunkte zu 2006!). „Wenn Jugendliche sich verschulden, dann meist bei Eltern, Freunden und Verwandten. Dabei geht es in der Regel um eher kleinere Geldbeträge.“ so die Einschätzung der Jugendlichen in einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Banken aus dem Jahre 2006. Die Problemwahrnehmung und die tatsächliche Lage bei der Verschuldung von Jugendlichen liegen demnach weit auseinander.
Gerade Kinder und junge Heranwachsende mit negativen Erfahrungen einer dauerhaften Zahlungsunfähigkeit und mangelnder Teilhabe an Bildungs- und auch Konsumangeboten zeigen eine eigene Tendenz zum Schuldenmachen. Der Umgang mit Geld wird von den Eltern vorgelebt und von Kindern oftmals übernommen.

Kostenfalle Handy und Internet

Bei einer Umfrage des ipos- Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Banken gaben ein Viertel der befragten Jugendlichen mit Schulden an, diese bei einer Telefongesellschaft zu haben. Auch wenn die Einführung von Flatrates oder Prepaid- Karten das Gefahrenpotenzial etwas gemindert haben, gelten beispielsweise viele Flatrates nur für die eigenen Netze eines Mobilfunkanbieters. Die Kosten können so auch weiterhin das festgesetzte Kostenlimit schnell übersteigen. Auch wenn nach geltendem Recht Minderjährige ohne Einwilligung der Eltern keine rechtlichen Verpflichtungen eingehen können, die zu Schulden führen, bleibt diese Entwicklung unbedingt zu beobachten. Das Handy hat als Hauptauslöser von Einstiegsschulden seine Bedeutung behalten. Zudem wird auch das Internet als offene Konsumbörse bei Jugendlichen immer beliebter, da hier vermeintlich günstige Produkte, besonders Markenware, angepriesen werden. Dieses führt dazu, dass Kontrollmechanismen umgangen werden und es Jugendlichen ermöglicht wird, sich zu verschulden.

Wir fordern daher:

  • verschärfte Zugangsmechanismen für die Teilnahme am Internethandel, sowie für alle kostenpflichtigen Aktivitäten im Internet
  • ein Verbot von Werbung für Klingeltöne, Handylogos etc. in TV und Radio
  • die technische Umsetzung, dass bei Mobilfunkverträgen im Privatkundengeschäft standardmäßig eine automatisch generierte SMS verschickt wird, die dem Kunden die monatlich kumulierten Gebühren in 10,-€- Schritten mitteilt

Schuldenprävention in der Schule

Noch nie haben Kinder und Jugendliche in Deutschland eine solche Kaufkraft besessen. Jedoch waren auch noch nie so viele Kinder und Jugendliche verschuldet.
In Nordrhein- Westfalen startete 2006 das Projekt „MoKi“ (Money & Kids) an 16 Ganztagsschulen. Hierbei wird den Schülerinnen und Schülern der Klasse 1-4 mit Hilfe mehrerer Lernmodule, spielerisch der Umgang mit Geld vermittelt. Denn mit Handlungskompetenz und Fachwissen kann dem finanziellen Analphabetismus vorgebeugt und der gefährlichen Mischung aus fehlendem Wissen und unzureichender Erfahrung präventiv entgegengewirkt werden.

Wir fordern daher:

  • Schuldenprävention im Schulunterricht durch Einführung des Nordrhein- Westfälischen Projekts an niedersächsischen Ganztagsschulen
  • den verantwortungsvollen Umgang mit Geld in Grundschulen z.B. durch die Arbeit mit Taschengeldkalendern zu fördern
  • Einführung des Schulfaches „Wirtschaft und Finanzen“ zur Behebung der Mängel in der finanziellen Allgemeinbildung und der Finanzkompetenz, sowie als wesentliche Grundlage zur Teilhabe am ökonomischen und gesellschaftlichen Geschehen
  • Einführung eines geeigneten Systems zur frühkindlichen Bildung, dass auch das spielerische Erlernen des richtigen Umgangs mit Geld sowie das Vermitteln von Toleranz gegenüber finanziell schlechter gestellten abdeckt. Diese Punkte müssen auch explizit in den Kompetenzkatalog der Kindergärten und Grundschulen aufgenommen werden

„Jung, lässig, aber pleite“

„Jung, lässig, aber pleite“- titelte der SWR- Internetratgeber im Mai 2007. Nicht nur, dass es mit den Finanzkenntnisse junger Erwachsener nicht gerade zum Besten steht. Nur die Hälfte der Befragten in einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Banken geben an, sich in Finanzfragen auszukennen. Und es zeigt sich gemäß dem Schuldner Atlas 2007 dass nicht nur viele Konsummuster von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden, sondern auch ein „prekäres Verhältnis zu Geld und Finanzen, das verhaltensrelevant auf die nächste Generation übertragen wird“. Hier liegt somit das Erfordernis einer besonderen Präventionsaufgabe für die Gesellschaft, was aber die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung entlassen darf.
Jedoch nicht nur Jugendliche aus ärmeren Verhältnissen und sozialen Brennpunkten sind von Überschuldung betroffen. Die junge Leistungselite ist durch Ihren Hang zur Überschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten ebenfalls der Gefahr von Privatinsolvenzen ausgesetzt, die sich in einer überdurchschnittlichen Inanspruchnahme von Kreditleistungen manifestiert.
Die so genannten „Hedonistischen Milieus“ als zahlenmäßig kleinste und auch jüngste Bevölkerungsgruppe weisen die mit Abstand höchste Schuldnerquote auf. Sie gelten als spaßorientierte und moderne Unter- bzw. untere Mittelschicht, die sich den Zwängen moderner Lebensgesellschaften verweigert. Hedonisten konsumieren viel und gerne, wobei viele unter 30 Jahre alt sind.
Coole Kleidung, PC-Spiele, Fastfood und Süßigkeiten sind bei Jugendlichen beliebte Kaufobjekte. Der Gruppenzwang zu teuren Markenklamotten verleitet Jugendliche dazu, über die eigenen Verhältnisse zu leben. Hinsichtlich des Aussehens orientieren sich die Jugendlichen der unterschiedlichen Altergruppen an den Standards, die die jeweiligen Bezugsgruppen setzen.

Wir fordern daher:

  • Einführung von einheitlicher Schulkleidung als Beitrag, um ein Gefälle von Arm und Reich nicht von vorneherein an der Kleidung ausmachen zu können
  • Verbot der Nutzung von Statussymbolen wie Handy etc. auf dem Schulgelände
  • Ausbau von Schuldnerberatungsstellen als äußerst effektives Instrument zur Hilfestellung und Nachbetreuung. Momentan kommen 5.400 Schuldner auf eine Schuldnerberatung
  • Überführung von Schuldnerberatungsstellen in öffentliche Stiftungen um den Grad an
  • Planungssicherheit der Stellen zu erhöhen und unter gleichzeitiger Einbeziehung ehrenamtlicher
  • Mitarbeiter den Kostenrahmen so effizient wie möglich zu spannen
  • Selbstverpflichtung der Finanzdienstleister zu einer verantwortungsbewussten Kreditvergabe, die stärker die ökonomische Leistungsfähigkeit der Zielgruppe berücksichtigt
  • Finanzdienstleister sollen sich dazu verpflichten, dass bei jeder Abbuchung am Automaten, die ein Kunde (unter 25 Jahren) im Soll tätigt, eine Warnmitteilung bekommt, dass er sich im Minus befindet
  • Weiterer Abbau der Jugendarbeitslosigkeit durch den Ausbau von Ausbildungsprogrammen, sowie eine spezifische Förderungen von Existenzgründungsinitiativen für geeignete Personengruppen
  • Konsumkredite sollen für den Konsumenten transparenter gestaltet werden, damit sich dieser der finanziellen Belastung eines solchen Vertragsabschlusses bewusst wird und nicht durch die vermeintlich günstige Art der verzögerten Bezahlung langfristig in die Schuldenfalle tappt. Des Weiteren sollte die Werbung, die Konsumentenkredite verharmlost, verboten werden


Quelle: Statistisches Bundesamt
SchuldnerAtlas Deutschland, Jahr 2007
Die MOSAIC Millieus von der microm GmbH als Weiterentwicklung von Sinus-Millieus von Sinus Sociovision
SchuldnerAtlas Deutschland, Jahr 2007


Anmerkung: Persönliche Standpunkte stellen die Meinung des Verfassers dar und sind nicht unbedingt identisch mit der Auffassung der Jungen Union Kreisverband Verden .

Einen Kommentar schreiben